Tölle Buch- und Fotokunst
© Tölle Buch und Fotokunst
Home Hunde-News Aktuelles Galerie Kontakt Das Fototagebuch
Unser Rudel Ich liebe Hunde. Schon immer.  Meine Eltern kauften einen Hovawart, da war das Abitur quasi in Sichtweite; das gilt jetzt nicht  unbedingt um sagen zu können: ich hatte als Kind einen Hund, oder? Reste von Schulzeit,  Studium, Referendariat, mehrere Umzüge und Wohnungen, die keine Haustiere erlaubten –  dazu der Freund, der blieb und mit dem ich seit geraumer Zeit verheiratet bin… dann zwei  Kinder, die mich neben dem Beruf ziemlich auf Trab hielten – irgendwie war anschließend nie  der rechte Zeitpunkt, um einen eigenen Hund anzuschaffen. Und als die Kinder groß genug  waren, dass ich sie fragen konnte (wie kann man Kinder nur in einen solchen  Entscheidungsprozess mit einbeziehen wollen?), da fanden sie Hunde toll – solange es die  Hunde Anderer waren. Na klasse.  So musste ich eine lange, lange Zeit warten, die ich jedoch dazu nutzte immer wieder  gedanklich durchzuspielen, welche Hunderasse wohl unter den gegebenen Umständen die  geeignetste wäre. Schließlich mussten da eine Menge Bedingungen erfüllt werden: Der Hund  durfte nicht zu viel Fell verlieren, weil das ja Arbeit machen würde, sowohl beim Kämmen und  Bürsten als auch beim anschließenden Saugen des Hauses. Außerdem durfte er nicht zu sehr  nach Hund riechen (also kein Wasserliebhaber und nichts mit Unterwolle oder verfilzendem  Fell) und auf gar keinen Fall rumsabbern (wieder ein paar Dutzend Rassen aus dem Rennen).  Wegen der Kinder sollte er nicht zu groß sein, denn beide waren sehr zurückhaltend und eher  skeptisch. Auch meinem Mann fehlte die rechte Begeisterung für einen vierbeinigen  Hausgenossen.  Am besten also eine Rasse, die kaum Pflegeaufwand bedeutete, nach Möglichkeit quasi  selbstreinigend, anspruchslos und unauffällig, auf gar keinen Fall ein Kläffer – aber ästhetisch  sollte der Hund sein, bitteschön, und schon irgendwie nach Hund aussehen; nicht so ein  Zwerg, auf den man versehentlich drauftreten könnte. Das reduzierte die Vielfalt der  Auswahlmöglichkeiten ganz erheblich, vereinfachte aber auch irgendwie die Suche.  Ein Whippet. – Ein Whippet?! – Warum nicht. - Ein Exot! – Egal. – Viel zu dünn! – Bin ich  auch. Dünn, meine ich. Und selbst wenn ich fett wäre, na und? – Aber sind das nicht  Jagdhunde? – Ja schon, aber viele andere Rassen auch. – Brauchen die nicht irre viel  Auslauf? – Nein, sie liegen Dreiviertel des Tages sehr dekorativ auf dem Sofa, wenn man sie  lässt.  Aber warum ausgerechnet ein Whippet?!  Tja. Weil es irgendwie zu passen schien: Mittelgroß, also für die Kinder nicht sonderlich  beängstigend; kurzes, kaum haarendes Fell ohne Unterwolle, also sehr pflegeleicht; ruhig,  also kein Kläffer; anhänglich und distanziert zugleich, also für jeden aus der Familie das, was  er gern hätte, ob verschmust oder lieber auf Abstand bedacht. Geeignet für »Anfängerhalter«  ohne große Hundeerfahrung, weil vom Charakter her liebenswert und harmoniebedürftig…  was will man mehr?  Im Sommer 2009 ging für mich dann tatsächlich nach fast zwanzig Jahren Wartezeit einer  meiner größten Träume in Erfüllung: Ich bekam einen eigenen Hund. Nicht die Kinder. Nicht  einmal wirklich die Familie. Ich.  Mitte Juni adoptierten wir als fünftes Mitglied unserer Familie einen süßen kleinen Welpen –  Luna, acht Wochen alt und einfach hinreißend. Ich war von ihrer Ausstrahlung und ihrem  einfühlsamen Wesen völlig fasziniert. Seitdem gab es keinen einzigen Tag, an dem ich diese  Entscheidung bereut hätte. Ganz im Gegenteil: Im April 2011 zog der zweite Whippet ein,  unsere süße Phalène.  Natürlich sind unsere beiden Whippet-Mädels echte »Familienmitglieder«. Natürlich spielen  und schmusen die Kinder mit ihnen. Natürlich gehen mein Mann und ich häufiger gemeinsam  mit ihnen spazieren. Und doch sind es meine Hunde. Die Erziehung liegt allein in meiner  Hand. Von mir bekommen sie ihr Futter. Tierarztbesuche übernehme ich. Und mittlerweile  begleiten mich beide Hunde auch in die Schule.  Als studierte Sonderpädagogin arbeite ich seit über zehn Jahren an einer Förderschule. Wir  unterrichten Kinder, die Schwierigkeiten beim Lernen, mit der Sprache oder mit ihrem  Verhalten haben – manchmal auch von allem etwas. Da diese Jungen und Mädchen  besondere Hilfe brauchen, sind nicht so viele Kinder in einer Klasse wie an anderen Schulen.  Dafür haben wir vom ersten bis zum zehnten Schuljahr sozusagen »alles unter einem Dach«.  Im Sommer 2011 war ich endlich mutig genug die Idee, die mir seit geraumer Zeit im Kopf und  vor allem im Herzen herumschwirrte, in die Tat umzusetzen: Luna und ich nahmen an einer  Fortbildung für »Hundgestützte Pädagogik und Therapie« teil. Wir beide (vor allem ich!)  lernten dort eine Menge wichtiger Dinge, die man wissen und beachten muss, wenn man wie  wir als Mensch-Hund-Team in der Schule arbeiten möchte. Mit Abschluss dieser Fortbildung  und dank Lunas toller Eignungs- und Belastungsanalyse dürfen wir seitdem gemeinsam als  »Schulbegleithund-Team« eine ganz besondere Art von Unterricht gestalten.  Ohne meinen besten Freund und Kollegen hätte ich heute allerdings wohl weder meine  beiden Hunde, noch wäre ich jemals mutig genug gewesen, diesen letzten entscheidenden  Schritt zu gehen und das Schulbegleithund-Projekt in Angriff zu nehmen. Seine Hartnäckigkeit  ganz zu Beginn (»es ist doch seit zig Jahren dein Traum, ein eigener Hund, mach es!«), sein  enormer Optimismus mittendrin (»wer sagt denn, Whippets seien als Schulhund nicht  geeignet? Quatsch!«) und seine unverbrüchliche Freundschaft waren dabei ganz klar der  Motor, der mich immer wieder antrieb. Und das Schöne ist: Es hat nicht nur mich beflügelt.  Auch er selbst nahm an der Fortbildung teil, und seine eigene Hündin Raquel, eine bildschöne  Retriever-Dame, gehört mittlerweile ebenfalls zum Schulbegleithund-Team und kommt  regelmäßig mit in den Unterricht.  Warum ich tatsächlich daran glaube dass Hunde manchmal unsere Schüler besser und  unmittelbarer erreichen als wir? Vielleicht liegt es unter anderem auch an der Entwicklung  eines Mädchens, mit dem ich über ein Jahr lang zusammenarbeitete, und das eigentlich eher  nebenbei. Diesem persönlichen Highlight in Sachen »Hundgestützte Pädagogik« gehört ein  eigenes kleines Kapitel ganz am Ende. 

Leseprobe